Phase 3 – Therapie

Metastasierter Brustkrebs:
Die passende Behandlung finden

0/5

Die Therapielandschaft bei metastasiertem Brustkrebs klingt erst einmal kompliziert – Begriffe wie „Antikörper-Wirkstoff-Konjugat“ oder „Antihormontherapie“ sind den wenigsten Menschen geläufig. Hier möchten wir Ihnen die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten erläutern, sowie erklären, wie Sie überhaupt zu einer Therapieentscheidung gelangen können.

Die Entscheidung für eine Therapie bei metastasiertem Brustkrebs1

Wenn bei Ihnen Metastasen diagnostiziert wurden, entscheidet sich Ihre Ärztin/Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen für die Behandlung, die für Sie am besten geeignet ist. Wichtig ist dabei vor allem der Aspekt „gemeinsam“: Ihre Ärztin/Ihr Arzt sollte Sie auf Augenhöhe beraten und Sie – wenn Sie sich dies wünschen – so umfassend über die Therapiemöglichkeiten informieren, dass Sie sich selbst an der Entscheidungsfindung beteiligen können. Das bezeichnet man auch als „shared decision making“tooltip2. Es ist aber auch genauso in Ordnung, wenn Sie weniger wissen und sich lieber auf die Erfahrung der medizinischen Expert*innen verlassen möchten.

Die Entscheidung für eine bestimmte Therapie richtet sich zum Beispiel danach, wo sich die Metastasen befinden und welcher Rezeptorstatustooltip bei Ihnen bestimmt wurde. Falls bei Ihnen in der Vergangenheit schon einmal ein Brustkrebs behandelt wurde, wird auch beachtet, welche Medikamente Sie zu dieser Zeit bekommen haben, ob diese gut angeschlagen haben und wie Sie diese vertragen haben.

Stellen Sie in den Gesprächen mit den Ärzt*innen alle Ihre Fragen und äußern Sie auch Ihre Wünsche oder Bedenken – es geht um Ihre Zukunft und darum, wie Sie Ihr Leben mit der Therapie gestalten möchten. Dabei ist es ganz normal, dass sich Ihre Bedürfnisse im Laufe der Zeit verändern. Auch das sollten Sie immer direkt ansprechen, damit sich Ihr Behandlungsteam gut darauf einstellen kann. Sie können sich auf die Gespräche vorbereiten, indem Sie vorab Ihre Fragen und Wünsche aufschreiben und dann zum Gespräch mitbringen. Auch eine Checkliste wie diese kann hierfür nützlich sein. Weitere Hilfestellung zur Kommunikation mit Ärzt*innen finden Sie in unserem Community Portal.

Wenn Sie mit einer Therapie nicht einverstanden sind oder sich nicht gut betreut fühlen, scheuen Sie sich nicht, sich eine Zweitmeinung einzuholen oder weitere Spezialist*innen einzubeziehen.

Übersicht aktueller Behandlungsformen bei metastasiertem Brustkrebs

Bei der Behandlung von metastasiertem Brustkrebs unterscheidet man zwischen lokalen und systemischen Therapien. Lokal bedeutet, dass einzelne Metastasten gezielt „vor Ort“ behandelt werden. Bei systemischen Therapien kommen Medikamente zum Einsatz, die auf den gesamten Körper wirken.

Lokale Therapieformen

  • Operation:
    In manchen Fällen können einzelne Metastasen operativ entfernt werden. In der Regel werden aber eher selten Operationen durchgeführt, wenn der Brustkrebs bereits gestreut hat.
  • Strahlentherapie:
    Eine Bestrahlung, auch Radiotherapie, hat das Ziel, das Erbgut der Tumorzellen zu schädigen. Dabei werden zwar auch gesunde Zellen zerstört, diese regenerieren allerdings besser als die Tumorzellen.

Systemische Therapieformen

  • Antihormontherapie:
    Wenn die Metastasen hormonrezeptor-positiv sind, kann eine Antihormontherapie bei metastasiertem Brustkrebs (auch endokrine Therapie genannt) angewendet werden. Hierfür gibt es verschiedene Präparate mit unterschiedlichen Ansätzen: Entweder bewirken sie, dass Hormone nicht mehr gebildet werden, oder sie blockieren die Rezeptoren für die Hormone auf den Tumorzellen.
  • Chemotherapie:
    Chemotherapien, oder auch Zytostatika, wirken schneller als Antihormontherapien. Sie werden meist als Infusion verabreicht, einige auch als Tablette. Ziel ist es, das Wachstum von Zellen zu unterbinden, die sich schnell teilen – also auch Tumorzellen.
  • Zielgerichtete Therapie:
    Zur Kategorie zielgerichtete Therapien gehören verschiedene Medikamente, die gegen spezielle Eigenschaften von Krebszellen oder Zellen in der Umgebung von Krebszellen wirken. Es handelt sich zum Beispiel um Antikörper oder auch um andere zielgerichtete Arzneimittel.

    • CDK4/6tooltip-Hemmer:
      Bei hormonrezeptor-positivem Brustkrebs können zusammen mit der Antihormontherapie auch sogenannte CDK4/6-Hemmer zum Einsatz kommen. Das sind Eiweiße, die das Zellwachstum steuern. So kann das Fortschreiten der Erkrankung möglicherweise verlangsamt werden.
    • mTORtooltip-Hemmer:
      Der PI3K/AKT/mTORtooltip-Signalweg reguliert das Zellwachstum und kann dafür sorgen, dass der Krebs resistent gegen Antihormontherapien ist. Wenn dieser Signalweg übermäßig aktiv ist, kann eine gezielte Hemmung mit mTOR-Hemmern das Ansprechen auf die Therapie verbessern.
    • Tyrosinkinase-Hemmer:
      Tyrosinkinase-Hemmer gehören zu den sogenannten “small molecules”, also kleine Moleküle. Sie wirken innerhalb der Zelle und hemmen dort die Weiterleitung der Wachsstumssignale von HER2tooltip. Sie werden als Tabletten eingenommen.
    • PARPtooltip-Hemmer:
      Die PARP-Inhibitoren blockieren bestimmte Enzyme, die eine Rolle bei der Reparatur der DNAtooltip von Zellen spielen. Werden diese Enzyme gehemmt, kann die Zelle Schäden nicht mehr reparieren und es kommt folglich zum Zelltod. PARP-Hemmer werden bei Patient*innen mit einer BRCA-Mutationtooltip mit metastasiertem, HER2-negativem Mammakarzinom eingesetzt.
    • Monoklonale Antikörper (mAb):
      Antikörper oder mAb (englische Abkürzung: „monoclonal antibodies“) sind Eiweiße, die bestimmte körpereigene Strukturen zielgerichtet erkennen und blockieren können.
      Wenn der metastasierte Brustkrebs zum Beispiel HER2-positiv ist, können Antikörper zum Einsatz kommen, die zielgerichtet diesen Rezeptor blockieren, so dass die Tumorzellen kein Wachstumssignal mehr erhalten und folglich absterben. Neben Antikörpern gegen HER2 können auch mAb gegen andere, für das Tumorwachstum wichtige Strukturen eingesetzt werden. Beispielsweise mAb, die sich gegen die Blutgefäße des Tumors richten, sodass der Tumor nicht mehr ausreichend versorgt wird.
      Ein weiteres Beispiel ist die Immuntherapie. Diese beeinflusst das Patienten-eigene Immunsystem und nimmt daher bei der Behandlung von Brustkrebs eine wichtige Stellung ein. Meist werden bei der Immuntherapie monoklonale Antikörper eingesetzt. Zum Beispiel sogenannte Checkpoint-Inhibitoren, die das körpereigene Immunsystem dabei unterstützen, Tumorzellen wiederzuerkennen und abzutöten. Es ist wichtig zu beachten, dass durch den Einfluss, den die Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren auf das Immunsystem nimmt, sich entsprechende Nebenwirkungen auch deutlich von den Nebenwirkungen anderer Therapieformen unterscheiden und sich beispielsweise als immunvermittelte Erkrankungen in nahezu jedem Organ äußern können.3
  • Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs):
    Für metastasierten TNBCtooltip und Hormonrezeptor-positiven (HR+), HER2-negativen metastasierten Brustkrebs sind Antikörper-Wirkstoff-Konjugate zugelassen (engl. „antibody-drug conjugates“). Ein ADC besteht aus einem monoklonalen Antikörper, der durch einen Linkertooltip mit dem Wirkstoff verbunden ist. Der monoklonale Antikörper erkennt spezifisch Tumorzellen und transportiert somit den Wirkstoff dahin, wo er gebraucht wird. Der Wirkstoff gelangt so gezielt in die Tumorzellen und tötet diese ab.

Weitere Informationen zum Wirkmechanismus von ADCs und ihrem Einsatz bei metastasiertem triple-negativem Brustkrebs (mTNBC) und HR+/HER2- mBC finden Sie in unserem Video „Antikörper-Wirkstoff-Konjugate – Wirkmechanismus“ und unserer Broschüre „Antikörper-Wirkstoff-Konjugate bei metastasiertem triple-negativen und bei Hormonrezeptor-positivem (HR+/HER2- mBC) Brustkrebs“.

Referenzen


  1. AWMF e. V., DKG e. V., DKH: Leitlinienprogramm Onkologie. Patientinnenleitlinie - Metastasierter Brustkrebs. Dezember 2018.
  2. AWMF e. V., DKG e. V., DKH: Leitlinienprogramm Onkologie. S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Version 5.0, Dezember 2025.
  3. Buchtele N, Schellongowski P: Nebenwirkungen nach Immuntherapie in der Hämatologie und Onkologie. Wien. Klin. Wochenschr. Educ 14, 49–63 (2019).

Wie hilfreich war
der Beitrag?

(No Ratings Yet)
Loading...

Das könnte Sie ebenfalls interessieren: