Phase 4 – Leben mit metastasiertem Brustkrebs

Mit psychischer Belastung bei metastasiertem Brustkrebs umgehen1

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Im Umgang mit metastasiertem Brustkrebs spielen nicht nur die körperlichen, sondern auch psychische und soziale Faktoren eine wesentliche Rolle. Denn ob bewusst oder unbewusst, die Diagnose einer unheilbaren und tödlichen Erkrankung hat in der Regel schwere psychische Konsequenzen, mit denen nicht jeder ohne entsprechende Hilfe zurechtkommt, gerade zum Beispiel mit der Akzeptanz des Sterbens.

Die Belastung betrifft nicht nur die Betroffenen selbst, sondern erstreckt sich auch auf ihr soziales Umfeld und nicht immer ist dieses Umfeld dazu in der Lage, mit der neuen Situation umzugehen beziehungsweise den Betroffenen die notwendige Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen. Im Gegenteil, Angehörige, Freunde oder andere Personen, denen die Betroffenen am Herzen liegen, können sogar selbst zur Belastung beitragen, wenn sie Betroffene unter Druck setzen einen Weg zu gehen, den sie als Wegbegleiter*innen für richtig halten, den aber der/die Betroffene selbst eigentlich gar nicht gehen will.

Das sind Beispiele, die nur die Spitze des Berges widerspiegeln, der die psychischen und sozialen Folgen einer solchen Diagnose darstellt. Jeder Mensch ist ein Individuum und daher sind auch die Reaktionen hochindividuell. Daher müssen auch die Lösungen dieser Problematiken entsprechend gestaltet sein.

Für die meisten Menschen, die einer mentalen Herausforderung begegnen, ist der erste wichtige Schritt diese anzuerkennen und, je nach Situation, die Punkte zu identifizieren, die einen besonders belasten. Denn nur dann kann eine adäquate Bewältigung erfolgen. Eine Möglichkeit das zu erreichen sind wissenschaftlich geprüfte Fragebögen. Die Punkte psychosoziale Belastungen, Krankheitssymptome und Funktionseinschränkungen ergeben zusammengefasst das Konzept der gesundheitsbezogenen Lebensqualitättooltip. Und diese wird anhand solcher Fragebögen gemessen.

Zwei der Fragebögen, die häufig verwendet werden, um die Lebensqualität zu beurteilen, sind der „EORTC QLQ C30-Inventar“tooltip und der „FACT“tooltip.2 Solche Fragebögen werden auch begleitend während der Behandlung eingesetzt, um Veränderungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zu erkennen und bei Verschlechterungen möglichst frühzeitig reagieren zu können.

Psychoonkologische Unterstützung

Bei einer psychoonkologischen Beratung können Sie alle Themen und Fragen besprechen, die Ihnen im alltäglichen Umgang mit der Erkrankung wichtig sind: Wie gehe ich mit Ängsten um? Welche Pläne kann ich noch für meine Zukunft machen, wie möchte ich mein verbleibendes Leben gestalten? Wie gehe ich mit Herausforderungen in Partnerschaft und Sexualität um? Eine psychoonkologische Betreuung kann Sie in jeder Phase der Erkrankung unterstützen. Dabei richtet sich das Angebot nicht nur an Patient*innen, sondern immer auch an Angehörige, die indirekt auch von der Erkrankung betroffen sind.

Psychoonkologische Betreuung gibt es in der Klinik oder auch ambulant. Eine Übersicht zu psychotherapeutischen Angeboten in ganz Deutschland finden Sie zum Beispiel beim Krebsinformationsdienst des deutschen Krebsforschungszentrums.

Auch bei den kassenärztlichen Vereinigungen Ihres jeweiligen Bundeslandes finden Sie weitere Informationen.

Auf der Webseite der Stiftung Deutsche Krebshilfe finden Sie ebenfalls ein breites Spektrum an Informationen zu verschiedenen Krebsarten, zentral ist zudem das Thema „Leben mit Krebs“. Hierzu finden Sie eine Liste der psychosozialen Krebs-Beratungsstellen und eine Möglichkeit zur telefonischen Beratung durch das Infonetz Krebs.

Ergänzend dazu erhalten Sie auf unserem Community-Portal erste Impulse zu emotionalen Belastungen sowie Erfahrungen anderer Betroffener.

Entspannungsverfahren wie Yoga für Menschen mit metastasiertem Brustkrebs

Bestimmte Entspannungsverfahren können Ihnen dabei helfen, besser mit innerer Anspannung, Ängsten oder Unruhe umzugehen, die häufig im Zusammenhang mit metastasiertem Brustkrebs und der dazugehörigen Behandlung auftreten. Solche Verfahren können zum Beispiel begleitend zu einer Chemotherapie durchgeführt werden, um die Lebensqualität zu verbessern und Belastungen zu vermindern. Der positive Einfluss der Entspannungstechniken ist wissenschaftlich belegt.3

Falls Ihr Behandlungsteam nicht ohnehin schon mit Ihnen über Entspannungsverfahren gesprochen oder Ihnen Angebote vorgestellt hat, sprechen Sie es auf jeden Fall darauf an! Es gibt viele verschiedene Methoden – Yoga, Meditation, progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder imaginative Verfahren. Bestimmt ist auch etwas dabei, was für Sie gut geeignet ist.

Informationen zu verschiedenen Kursen finden Sie oft direkt im Krankenhaus oder in Rehakliniken. Darüber hinaus bieten einige Krankenkassen eigene Kurse für ihre Versicherten an – erkundigen Sie sich am besten direkt dort. Auch regionale Krebsberatungsstellen bieten Kurse an. Auf dieser Website finden Sie eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe. Auch der Verein Brustkrebs Deutschland informiert über Aktivität und Bewegung mit Krebs, hier finden Sie zum Beispiel kostenlose Yoga-Angebote.

Zusätzlich stellen wir Ihnen hier Videos und Übungen von und mit Dr. Elisabeth Jentschke bereit, die speziell darauf abzielen, Stress, Ängste und Fatigue im Alltag mit Krebs zu reduzieren. Die Anleitungen kombinieren Atemübungen, Achtsamkeits-Yoga und einfach umsetzbare Entspannungstechniken für zu Hause. Auch in unseren Materialien zum Nebenwirkungsmanagement finden Sie Informationen zu verschiedenen Entspannungsmethoden.

Eine weitere Option sind Smartphone-Apps, die Sie aktiv neben Ihrer Krebstherapie zur Erfassung Ihrer Lebensqualität begleiten können – zum Beispiel mit einem Patiententagebuch und der Möglichkeit, Ihre Behandlung genau zu dokumentieren.

Für welche Art der Erfassung Sie sich auch entscheiden, am wichtigsten ist und bleibt das Gespräch mit Ihrer Ärzt*in und die Zusammenarbeit mit Ihrem Behandlungsteam. Denn die eigentliche Erarbeitung einer Strategie zum Umgang mit den psychischen Herausforderungen, wie zum Beispiel die Bewältigung von Sorgen um die Nebenwirkungen einer Therapie oder auch Depressionen aufgrund der Diagnose, erfolgt am effektivsten durch Einbeziehung von Expert*innen. Haben Sie daher keine Scheu jedes Thema, das Sie beschäftigt, mit Ihrem Behandlungsteam anzusprechen. Wenn es um Ihr physisches und psychisches Wohlbefinden geht, gibt es keine Tabus.

Patient*innen-Seminare zum Umgang mit metastasiertem Brustkrebs

Patient*innen-Seminare, auch als „Psychoedukation“ bezeichnet, sind auf Wissensvermittlung ausgerichtet, damit Sie wieder selbst die Kontrolle über sich und Ihren Körper erlangen können. Neben der Schulung über Ihre Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten, erhalten Sie Strategien zum Selbstmanagement, zu gesunder Lebensführung und konkrete Übungen zum Umgang mit Belastungen und Ängsten. Psychoedukation kann Ihnen dabei helfen, Ihre Erkrankung besser zu verarbeiten und somit auch einen besseren Umgang damit ermöglichen. Die Seminare können das seelische Empfinden und die Lebensqualität nachweislich verbessern. Es gibt Einzel- oder Gruppenangebote, die entweder in der stationären Rehabilitation oder in der ambulanten Nachsorge angeboten werden.

Auf der Webseite des Vereins Brustkrebs Deutschland, sowie in unserem Community-Portal finden Sie Expert*innen-Interviews und Patient*innengeschichten, die Ihnen Mut machen können.

Psychotherapie bei metastasiertem Brustkrebs

Es gibt verschiedene Arten von Psychotherapie, bei denen die Therapeut*innen Angst, Beschwerden und Belastungen verringern können. Dazu gehören zum Beispiel Verhaltens-, Gesprächs- oder auch systemische Therapie. Bei all diesen Methoden geht es in erster Linie darum, in Einzel-, Gruppen- oder Paartherapien mit Hilfe des Therapeuten Problematiken, ohne den Einsatz von Medikamenten zu thematisieren und letztendlich zu behandeln. So weiß man zum Beispiel, dass sich Einzeltherapien positiv auf seelische Belastungen, Ängste und Depressionen auswirken, aber auch körperliche Beschwerden reduzieren können.3

Referenzen


  1. AWMF e. V., DKG e. V., DKH: Leitlinienprogramm Onkologie. Patientenleitlinie - Psychoonkologie, Psychosoziale Unterstützung für Krebspatienten, deren Angehörige sowie Zugehörige. Mai 2023.
  2. AWMF e. V., DKG e. V., DKH: Leitlinienprogramm Onkologie. S3-Leitlinie – Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatient*innen. August 2023.
  3. AWMF e. V., DKG e. V., DKH: Leitlinienprogramm Onkologie. Patientinnenleitlinie - Metastasierter Brustkrebs. Dezember 2018.

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