Phase 5 – Abschied nehmen

Kommunikation:
Über Ihre Situation sprechen

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„Wie spreche ich mit den Menschen in meinem Umfeld darüber, dass ich womöglich nicht mehr lange leben werde?“, „Wie und wann beziehe ich meine Kinder ein?“. Wenn es absehbar ist, dass Ihnen nur noch wenig Zeit bleibt, werden die gemeinsamen Momente und der offene Austausch mit wichtigen Menschen aus Ihrem Umfeld umso bedeutsamer.

Was bei der Kommunikation mit Ihrem Behandlungsteam gilt, hat bei Gesprächen mit vertrauten Personen sogar eine noch größere Bedeutung: Sprechen Sie möglichst offen an, was Sie beschäftigt und teilen Sie Ihre Ängste, Sorgen und Wünsche. Vielleicht neigen Sie dazu, sich zurückzuziehen, weil Sie Ihre Wegbegleiter*innen nicht überfordern wollen, oder weil es Ihnen schwerfällt, über den Tod zu sprechen und die damit verbundene Traurigkeit in den Gesichtern Ihrer Liebsten zu sehen. Aber die Menschen in Ihrem Umfeld können gerade jetzt eine wichtige Stütze für Sie sein – und das können sie am besten dann, wenn Sie Ihre Wünsche und Bedürfnisse klar kommunizieren und mit anderen teilen.

Das betrifft nicht nur die Vorbereitungen des Lebensendes oder die therapeutische Behandlung. Sondern auch Ihre Wünsche im Bezug darauf, wie Sie die Ihnen verbliebene Zeit nutzen möchten. Wenn es auf das Lebensende zugeht, sind die verbleibenden physischen Kräfte oft nur noch begrenzt und es fällt schwer sich große Wünsche, wie anstrengende Reisen, zu erfüllen. Aber oftmals sind es die kleinen Dinge des Lebens, die die größte Bedeutung haben und Menschen in diesem Lebensabschnitt die größte Erfüllung bringen. Es kann hilfreich sein, wenn Sie Ihre Zeit mit den Dingen verbringen, die Ihnen am Herzen liegen und diese Wünsche mit Ihrem Umfeld kommunizieren. Und es kann auch Wegbegleiter*innen eine seelische Unterstützung sein gebraucht zu werden, in dem sie Ihnen aktiv bei der Umsetzung Ihrer Wünsche beistehen.

Manchen Patient*innen fällt es auch leichter, schwierige Themen mit einer außenstehenden Person zu besprechen, die nicht direkt betroffen ist und ihre Lage objektiver einschätzen kann. Eine solche Unterstützung durch professionelle Begleiter*innen können Sie auch mit Ihrem Umfeld teilen. Solche Begleiter*innen können eine unvoreingenommene und neutrale Unterstützung für alle von der Situation betroffenen Personen sein und mit einfühlsamen Konzepten auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen eingehen. Im Vordergrund werden aber immer Ihre Bedürfnisse stehen, um Ihnen in einem geschützten Rahmen die Auseinandersetzung mit Ihren Ängsten und Problemen zu ermöglichen. Denn gerade bei Krebserkrankungen kann es zu Störungen in der Kommunikation zwischen den Beteiligten kommen, in denen die Erkrankung zum Beispiel verdrängt oder zum beherrschenden Thema wird. Neutrale Berater*innen können Ihnen und Ihrem Umfeld helfen diese zu überwinden und neue Formen des Miteinander zu erarbeiten.

In den besonderen Momenten der Einsamkeit und Verzweiflung, wenn Sie gerade niemanden um sich haben möchten, kann auch ein Anruf bei der Seelsorge helfen. Die Seelsorger am anderen Ende sind darin ausgebildet, Menschen in unterschiedlichen Lebenskrisen zu unterstützen und zu begleiten. Sie können Ihnen dabei helfen in einer akuten Krise wieder Klarheit in Ihre Gedanken zu bringen und eventuell Ihre eigenen Wünsche und Sorgen besser zu verstehen, damit Sie für sich selbst zu einer Entscheidung zu dem Thema, das Sie gerade beschäftigt, kommen können.

Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr für Sie erreichbar unter den Telefonnummern 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 sowie online unter www.telefonseelsorge.de.

Wegbegleiter*innen einbeziehen

Im Austausch mit Ihren Wegbegleiter*innen kann es helfen, sich in ihre Lage zu versetzen: Sie sind von der Situation psychisch häufig ebenso belastet wie Sie selbst – denn auch sie entwickeln Ängste und stehen plötzlich vor vielen unerwarteten Herausforderungen: „Bin ich den anspruchsvollen Aufgaben rund um die Pflege gewachsen?“, „Wie gehe ich mit Verlust und Trauer um?“. Aber auch: „Wie soll mein/unser Leben danach weitergehen?“, „Schaffe ich es allein?“, „Wie kann ich allein unser(e) Kind(er) großziehen?“, „Wer übernimmt welche Aufgaben?“. Für Wegbegleiter*innen ist es eine große Herausforderung, in dieser belastenden Zeit die richtige Balance zu finden und sich nicht selbst zu überfordern oder eigene Bedürfnisse komplett in den Hintergrund zu rücken. Auch für sie kann es wichtig und gut sein, sich professionelle Hilfe zu holen, um mit der schwierigen Situation besser umgehen zu können.

Neben der im vorangegangenen Abschnitt erwähnten begleitenden Betreuung der Betroffenen gibt es natürlich auch zahlreiche Möglichkeiten einer psychologischen Unterstützung der Wegbegleiter*innen. Im Speziellen der Beistand durch Psychoonkologen findet auch nach dem Versterben der oder des Betroffenen statt, zum Beispiel über die Organisation von Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene.

Auch kann eine entsprechende Lektüre Sie als Betroffene*n und auch Ihre Wegbegleiter*innen dabei unterstützen, sich mit diesen schweren Themen auseinander zu setzen. So hat sich zum Beispiel die Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross ausgiebig mit dem Thema eines friedvollen und zufriedenen Todes auseinandergesetzt und ihre Forschungsergebnisse in zahlreichen Veröffentlichungen publiziert.

Gespräch mit Kindern

„Wie spreche ich mit Kindern über das Sterben?“. Kinder haben ein sehr feines Gespür dafür, wenn die Eltern traurig sind oder etwas vor ihnen verheimlichen. Damit Kinder nicht das Gefühl entwickeln, dass sie etwas falsch gemacht haben oder Schuld daran sind, dass es Ihnen schlechter geht, ist es sehr wichtig, dass Sie mit Ihrem Kind über die Situation sprechen – auch wenn es Ihnen schwerfällt. Der Zeitpunkt und die Detailtiefe für so ein wichtiges und emotionales Gespräch hängen sehr von Alter und Wesen Ihres Kindes ab. Falls Sie unsicher sind, wann und wie Sie das Thema ansprechen sollen, können Sie sich hierzu von Ihrem Behandlungsteam oder im Rahmen einer psychoonkologischen Betreuung beraten lassen. Auch die Kinderärztin/der Kinderarzt sind eine gute Anlaufstelle, um sich fachliche Unterstützung zu diesem Thema und evtl. weitere Kontakte zu Expert*innen, wie Kinderpsycholog*innen oder Kinder-Trauerbegleiter*innen, geben zu lassen. Bei Schulkindern sind auch Klassenlehrer*innen wichtige Ansprechpartner*innen, da sie Ihr Kind gut kennen und Veränderungen im Verhalten beobachten und einordnen können.

Weiterführende Links

Betroffenenperspektiven zur Kommunikation mit Familie und Freund*innen bei einer metastasierten Brustkrebserkrankung finden Sie auch in unserem Community-Portal-Bereich „Kommunikation mit dem Umfeld“.

Broschüre des DKFZ zu Psychoonkologie

Ratgeber der DKG für Wegbegleiter*innen

Das Abenteuerglas: Ein Kinderbuch für Familien, die von metastasiertem Brustkrebs betroffen sind

Flüsterpost e. V.: Unterstützung für Kinder krebskranker Eltern

Hilfe für Kinder krebskranker Eltern e. V.

Der Zauberbaum – App für Kinder krebskranker Eltern vom Verein „Hilfe für Kinder krebskranker Eltern e. V.“ (Android)

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